Einige Gedanken zur BasisCoach-Ausbildung
Wie hat der DFB -BasisCoach-Lehrgang mein Selbstverständnis verändert
Ich würde gerade die Präsenztage als sehr augenöffnendes Ereignis beschreiben. Ich glaube, dass ich in den drei Tagen nicht nur viel über Fußball dazu gelernt habe, sondern tatsächlich auch etwas als Mensch und über den Umgang mit Menschen:
a) Mit Menschen über eine Sache sprechen bzw. eine Sache beurteilen
Mir ist heute klargeworden, dass ich nie wirklich darüber nachgedacht habe, was es mit einem Menschen macht, wenn man sein Handeln beurteilt. Ich habe es oft einfach gesagt, ohne zu bedenken, welche Gefühle das beim anderen auslöst.
Jetzt merke ich: Kritik hat eine enorme Wirkung – und wenn ich sie bewusst in einen positiven Rahmen stelle, verändert sich alles. Es reicht nicht, nur die Schwächen anzusprechen. Das Gute hervorzuheben, es ehrlich zu würdigen und auch selbst zu fühlen, macht den entscheidenden Unterschied.
Ich habe auch verstanden, dass Kritik nicht endlos sein darf. Wenn sie auf das Notwendige reduziert ist, bleibt das Feedback klar, aber zugleich ermutigend. Genau so entsteht etwas Konstruktives, etwas, das weiterhilft statt runterzuziehen.
Das ist für mich eine echte Lernerkenntnis. Ich will jemand sein, der andere aufbaut, nicht jemand, der nur Fehler sieht. Und ich weiß, dass diese Einsicht weit über den Fußball hinausgeht. Sie betrifft meinen ganzen Umgang mit Menschen – und sie wird mich von jetzt an begleiten.
Der benutzte Begriff der „Sandwich-Methode“ greift dafür viel zu kurz. Er klingt nach einer Technik oder Taktik. Aber darum geht es nicht. Es geht um eine innere Haltung: wirklich zu wollen, dass der andere gestärkt aus der Kritik hervorgeht.
b) Es gibt Spieler, die noch Angst haben und das ist okay.
Ich habe mich zuvor oft dabei ertappt, wie ich mich über zögerliches Anlaufen oder Wegdrehen vor dem Gegner geärgert habe. Seit den Präsenztagen, in denen ich selbst unter Gegnerdruck aktiv werden musste, sehe ich das anders. Da ich nie richtig Fußball gespielt habe, fühlte ich mich dabei ehrlich gesagt wie ein 14-Jähriger, der gerade erst seit der D-Jugend im Training steht.
Es ist eine völlig neue Erfahrung, wenn du den Ball hast und ein körperlich deutlich stärkerer Mann im Vollsprint auf dich zustürmt. Diese Entschlossenheit – das ist einschüchternd, wenn man es nicht kennt. Und genau deshalb kann ich von Kindern oder Jugendlichen, die genauso wenig Erfahrung haben wie ich, nicht erwarten, dass sie diese Angst einfach ablegen, nur weil ich es fordere. Das wäre absurd.
Auch Mut im Zweikampf muss wachsen, Schritt für Schritt. Er braucht Training, Erfahrung und Zeit. Wenn ein 11-Jähriger Angst vor einem 12-Jährigen hat, der 15 Kilo schwerer ist – dann ist das kein Grund zur Kritik. Sondern etwas, das man verstehen muss.
c) Ein Trainer braucht einen Werkzeugkoffer – aufgeräumt, vollständig und jederzeit griffbereit.
Dazu gehören klare Trainingsstrukturen, Steuerungselemente, Provokationsregeln und viele kleine Stellschrauben, die das Training gezielt beeinflussen. Von vielem hatte ich schon gehört, manches in Vorträgen des DFB oder in Online-Webinaren auf dieser Plattform gesehen. Aber mir ist bewusst geworden, dass ich diese Dinge bislang viel zu selten einsetze – und das, obwohl ich mich eigentlich als „Spielform-Trainer“ sehe.
Meine Aufgabe in der nächsten Zeit wird es sein, dieses Wissen wirklich zu sortieren, die Werkzeuge klar einzuordnen und sie im Training gezielt und konsequent einzusetzen.