Anonymes Feedback der Kinder nach dem Training
Ein kleines Goody für die Kids – und ehrliche Kommunikation für uns
Es ist wieder so weit: ein neuer Blog. Nicht, weil ich zu viel Zeit hätte – ich sortiere einfach gern meine Gedanken und Experimente. Und ja, ich lese mich selbst gern; das hatten wir schon. Richtig rund wird’s durch eure DMs mit Nachfragen und Anregungen. Vielleicht wird das wirklich ein Hobby: klassisch bloggen, mit Text.
Im letzten Beitrag ging’s um Konzentration und Einsatzbereitschaft im Kindertraining. Kurzfassung: Kinder sind nicht „undiszipliniert“, sie ticken anders. Der Weg von Trainingsvolumen plus Anstrengung zu langfristigem Erfolg ist für sie weit weg – sprich: unsichtbar. Training muss für Fokus und Einsatz eine Belohnung anbieten.
Wer im Sinne von Advance Football denkt, weiß: Wir bauen Lernsituationen, keine Drills. „Klassische Erwärmung“ und „Basics“ als Pflichtprogramm? Eher nein. Und wir kennen alle den inneren Monk, der bei Fortbildungen nervös wird und Nackenklatscher verteilen will, wenn „alte, bewährte Rezepte“ als Weisheit verkauft und unkritisch abgenickt werden. Zum Glück denken viele inzwischen anders. In Wolfsburg, bei meiner ersten Advance-Football-Ausbildung, habe ich großartige Leute kennengelernt, die das Kind im Kontext des Trainings sehen – und die Nebenwirkungen schlechter Routinen kennen. Einige waren echte AF-Nerds und kannten jede Fortbildung der Plattform, so wie ich. Was für eine starke Veranstaltung mit euch.
Nach der AF-Ausbildung – Kern: maximale Freude, maximale Aktivität, maximale Intensität, maximale Qualität – stellte sich mir eine Frage: Wie skaliere ich das? Klar hat man als Trainer ein Gefühl, ob eine Einheit Spaß gemacht hat und dicht war. Aber meine Wahrnehmung und die der Kinder liegen oft auseinander. Was zehn Kids feiern, finden sechs andere „meh“. Die Form rollt – einer friert trotzdem. Ihr wisst, worauf ich hinauswill: Ich muss die Kinder nach der Einheit fragen.
Nur: „Na, hat’s euch Spaß gemacht?“ funktioniert leider nicht. Welcher Elfjährige stellt sich vor die Gruppe und sagt gegen die Dynamik: „Coach, heute eher so mittel“?
Erster Versuch: Zettel in meiner Anwesenheit ausfüllen. Ergebnis: Offenbar bin ich der beste Jugendtrainer der Welt – Schnitt 9,81/10. Realistisch? Wohl kaum. Gegentest in einer anderen Einheit: anonymes Feedback per Google Forms. Plötzlich tauchten ehrliche 6/10-Antworten auf – bei einer Session, von der ich sicher war, dass sie alle gefeiert haben.
Nebenbei eine klare Erkenntnis: Der Trainingsabschluss verzerrt die Bewertung überproportional. Gute Einheit, bewährte Formen – und zum Schluss ein Generalanschiss wegen fehlender Fairness. Ergebnis: Spaß rutscht auf „mittel“, die sonst stabilen 7–10 zerfasern plötzlich von 1 bis 10. Passt zur Faustregel: Das letzte Erlebnis dominiert, weil es am präsentesten ist. Interessant war auch, dass die Kids, die erst einen Tag später das Formular ausfüllten, wieder stabile 8 bis 10ner-Bewertungen abgaben. Zufall? Ich denke eher nicht.
Das anonyme Feedback – ich frage neben Spaß, Intensität und Aktivität auch konkrete Übungen, eigenes Disziplinempfinden und eine kurze Reflexion ab – zeigte außerdem: Carsten 1-gegen-1 und die 3-gegen-2-Teamwettkampf-Form lieben die Kids abgöttisch. Fangspiele wurden dagegen mehrheitlich als „nicht wiederholungswürdig“ eingestuft – trotz Lautstärke und viel Gelächter. Klingt paradox, passt aber: Lärm ist kein Proxy für Reiz. Es kann auch sein, dass 1-gegen-1, Spielform und Abschlussspiel das Fangspiel im direkten Vergleich alt aussehen lassen. Vielleicht schließe ich mal mit einem Fangspiel ab. Punkt ist: Unsere Einschätzung „läuft“ muss nicht die der Kinder sein – und vielleicht ist auch die Position des Fangspiels in der Trainingsstruktur der eigentliche Grund. Ich notiere das als auffällig, nicht als Urteil. Ich werde das auf jeden Fall beobachten.
Was ich durch das anonyme Feedback erlebe: Die Kids (D-Jugend) stürzen sich wie Gubbies auf den Link, sobald ich das Formular in die Gruppe stelle – weil sie sich in einem sicheren Raum wirklich äußern wollen. Und ich bekomme ein besseres Gefühl dafür, ob meine Einschätzung zum Kader passt. Es ist eine kleine Qualitätssicherung des Trainings – genau das, was sich jede Fortbildung auf die Fahne schreibt. Probiert’s aus. Ihr werdet Überraschungen erleben...
Bis dahin.
Robin